Ein Fallbericht von Univ. Prof. Dr. Heinz Gisslinger: Patient mit multiplen Vortherapien und schlechtem Allgemeinzustand
Bei dem 1938 geborenen Patienten wurde im März 1995 ein multiples Myelom IgG Kappa (Stadium IIIA) diagnostiziert. Bei Diagnose bestand ein Knochenbefall mit multiplen Osteolysen am Schädel, am rechten Femur sowie an der BWS und LWS.
Nach initialer Strahlentherapie erhielt der Patient wegen seines eingeschränkten Allgemeinzustands (intermittierendes Vorhofflimmern bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung) eine konventionelle Chemotherapie mit Melphalan und Prednisolon. Nach neun Zyklen dieser Chemotherapie ist es zu einer zwei Jahre anhaltenden Remission gekommen. Anschließend erhielt der Patient eine Monotherapie mit Thalidomid, womit neuerlich eine partielle Remission erzielt wurde, die insgesamt zwei Jahre andauerte.
Unter der Therapie mit Bortezomib (1,3mg/m2 KO) wurde ein drittes Mal eine Stabilisierung der Erkrankung erreicht. Nach einem Zeitraum von zwei Jahren in der stabilen Krankheitsphase kam es im Oktober 2006 zu einem rasch progredienten Rezidiv mit einem Anstieg des IgG-Wertes auf 7.000mg/dl. Parallel dazu verschlechterten sich der Allgemeinzustand des Patienten und die Nierenfunktion. Nach Gabe eines einzigen Zyklus von Lenalidomid + Dexamethason wurde eine sehr gute partielle Remission erzielt. Der Patient erhielt aufgrund seines sehr schlechten Allgemeinzustands lediglich 5mg Lenalidomid für 21 Tage und Fortecortin 40mg an den Tagen eins bis vier sowie 16 bis 19. Unter dieser Therapie kam zum raschen Absinken des IgG-Wertes auf 1.740mg/dl. Dieses Fallbeispiel demonstriert, dass bereits stark vorbehandelte Patienten, die auf die vorausgegangene Therapie nicht mehr optimal angesprochen haben, sehr rasch auf die Kombination von Lenalidomid und Dexamethason ansprechen können. Der Patient ist unter dieser Therapiekombination nun bereits seit nahezu neun Monaten in sehr guter partieller Remission, die Hämoglobinwerte besserten sich deutlich, und die Nierenfunktionsparameter haben sich völlig normalisiert. Lenalidomid kombiniert mit Dexamethason kann als sehr wirksame Alternative zur Therapie von stark vorbehandelten rezidivierenden multiplen Myelomen betrachtet werden.
Univ. Prof. Dr. Heinz Gisslinger
Klinische Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie
AKH Wien (Abteilung für Innere Medizin I)
Leiter der Tagesklinischen Station
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