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Behandlungsmöglichkeiten im Rezidiv

Univ. Prof. Dr. Johannes Drach

Durch die Verfügbarkeit von sog. „neuen“ Substanzen hat sich das Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten bei Wiederauftreten der Erkrankung (Rezidiv) deutlich erweitert. Folgende Therapieoptionen stehen dabei zur Verfügung:

Chemotherapie als Re-Induktionstherapie
Zweitlinien-Chemotherapie
Thalidomid
Bortezomib (Velcade®)
Lenalidomid (Revlimid®)
Behandlung mit noch wenig erprobten Substanzen (klinische Studien)

Chemotherapie als Re-Induktionstherapie

Bei gutem Ansprechen auf die Erstlinientherapie mit Erreichen einer länger anhaltenden Remission kann eine neuerliche Therapie mit diesem Schema unternommen werden. Dies gilt für die Chemotherapie in Standarddosierung ebenso wie für die Hochdosistherapie mit Stammzelltransplantation (Voraussetzung: genügend Stammzellen vorhanden).


Zweitlinien-Chemotherapie

Falls das Ansprechen auf die Erstlinientherapie nur unzureichend war bzw. nur eine kurze Remissionsdauer vorliegt, soll die Behandlung auf ein anderes Therapieschema umgestellt werden. Dazu stehen Rezidivprotokolle mit Chemotherapie ebenso wie die Behandlung mit einer der „neuen“ Substanzen zur Verfügung.


Thalidomid

Thalidomid kann als Einzelsubstanz bei etwa einem Drittel der Patienten mit – auch intensiv - vorbehandelten Patienten mit MM eine Remission induzieren; bei Kombination mit Dexamethason liegt die Remissionsrate bei 40 – 50%. Bei Kombination mit Chemotherapie kann das Ansprechen noch weiter verbessert werden, es steigert sich aber auch das Nebenwirkungsprofil. Venöse Thrombembolien (Bildung von Blutgerinnseln) ist dabei eine besonders schwerwiegende Nebenwirkung bei Thalidomid-Kombinationstherapien, weshalb die vorbeugende Gabe eines blutverdünnenden Medikaments empfohlen wird.


Bortezomib (Velcade®)

Bortezomib ist seit 2 Jahren für die Behandlung des rezidivierten MM zugelassen. Es ist ein sog. Proteasomen-Inhibitor und besitzt vielfältige Wirkungsmechanismen. Bei intensiv vorbehandelten Patienten wird ein Ansprechen bei etwa 30% der Patienten beobachtet, zusätzlich haben ca. 20% der Patienten eine klinische Verbesserung, wenn auch formal die objektiven Remissionskriterien nicht erfüllt sind. Wichtige Nebenwirkungen umfassen eine periphere Neuropathie sowie eine vorübergehende Thrombozytopenie (Absinken der Blutplättchen).

Auch Infekte (z. B. Gürtelrose) werden häufiger beobachtet. Bortezomib kann z. B. auch mit Dexamethason (oder Chemotherapeutika) kombiniert werden, wodurch Remissionsraten von 50% und mehr erreicht werden.


Lenalidomid (Revlimid®)

Lenalidomid zählt zu den sog. Immunmodulatorichen Substanzen und ist ein Thalidomid-Abkömmling. Lenalidomid dürfte dabei mindestens genauso effektiv wie Thalidomid sein, aber ein günstigeres Toxizitätsprofil aufweisen (keine Polyneuropathie, weniger Thromboseneigung; häufiger sind allerdings Blutbildnebenwirkungen). Im Vergleich zu Dexamethason zeigt die Kombination von Lenalidomid + Dexamethason ein signifikant höheres Ansprechen sowie längeres Überleben.

Lenalidomid befindet sich derzeit im Zulassungsverfahren in den USA und wird voraussichtlich im Laufe des Jahres auch in Österreich verfügbar sein.


Behandlung mit noch wenig erprobten Substanzen (klinische Studien)

Eine Reihe von weiteren Substanzen wird derzeit im Rahmen von klinischen Studien untersucht. Dabei liegen noch wenig Erfahrungen vor, aber von vorklinischen Untersuchungen besteht die berechtigte Hoffnung, dass sich eine Wirksamkeit beim MM zeigt.


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