Supportive Maßnahmen bei Patienten mit Multiplem Myelom
Univ.-Prof. Dr. Günther Gastl →
Patienten mit Multiplem Myelom leiden häufig an Folgen und Komplikationen ihrer Erkrankung bzw. der Therapie. Zu typischen Komplikationen der Myelomerkrankung zählen Knochenschmerzen, Knochenfrakturen, Blutarmut (Anämie), Anfälligkeit für Infektionen, Hyperkalzämie, Nierenversagen und das Hyperviskositätsyndrom.
Diese Probleme können zum Teil durch vorbeugende Maßnahmen verhindert bzw. durch gezielte Behandlung gebessert werden. Der frühzeitige Einsatz von Bisphosphonaten als Tablette oder Infusionslösung vermindert Knochenschmerzen und bremst die Entwicklung von Osteolysen und Knochenfrakturen. Wirbeleinbrüche oder Frakturen langer Röhrenknochen erfordern meistens eine akute chirurgische Versorgung. Durch Osteolysen bedingte Skelettschmerzen können bedarfsweise durch milde bis starke Schmerzmittel in Form von Tabletten oder Hautpflaster wirksam reduziert oder ganz beseitigt werden.
Die bei fortgeschrittener Myelomerkrankung häufige Tumoranämie und die damit verbundene Schwäche, Müdigkeit und Atemnot können durch subkutane Gabe von rekombinantem Erythropoietin oder notfalls auch durch Transfusion von roten Blutzellen (Erythrozyten) erfolgreich behandelt werden. Ein Mangel an normalen Immunglobulinen im Blut führt oft zu bakteriellen oder viralen Infektionen. Diese Infektionsneigung kann durch vorbeugende, intravenöse Verabreichung von Immunglobulinen und durch Impfung gegen Grippeviren oder bestimmte Bakterien wie z. B. Pneumkokoken gemildert werden. Bei massiven Osteolysen kann es zu einem bedrohlichen Anstieg des Kalziumspiegels im Blut (Hyperkalzämie) kommen, eine Komplikation, die in der Regel eine stationäre Behandlung mit intravenöser Flüssigkeit, Kortikosteroiden, Bisphosphonaten und harntreibenden Medikamenten (Diuretika) erfordert. Eine gefürchtete Komplikation bei Multiplem Myelom ist auch das Nierenversagen.
Eine schwere Funktionseinschränkung der Niere kann am besten durch eine frühzeitige Chemotherapie unter Einschluss moderner Medikamente wie Bortezomib, durch reichlich Flüssigkeitszufuhr, Behandlung einer Hyperkalzämie oder Hyperurikämie und eventuell auch durch einen Plasmaaustausch behandelt werden. Ein Plasmaaustausch (Plasmapherese) zählt auch zur Therapie der Wahl bei einem Hyperviskositätssyndrom mit Schwindelneigung bis zum Bewußtseinsverlust infolge exzessiver Freisetzung von Myelom-Protein in den Blutstrom.
Ziel aller erwähnten supportiven Therapiemaßnahmen ist neben der Vorbeugung oder Behandlung akuter und teilweise lebensbedrohlicher Komplikationen insbesondere die Verbesserung der Lebensqualität des Patienten.