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Merkblatt zur Vorbeugung von Osteonekrose unter Bisphosphonat-Therapie

von Univ.-Prof. Dr. Heinz Ludwig

Einleitung
Welche Symptome treten bei einer Kiefernekrose auf?
Wodurch entsteht eine Kiefer-Osteonekrose unter Bisphosphonattherapie?
Was sind Bisphosphonate?
Was müssen Sie unbedingt beachten?
Was können Sie und Ihre Ärzte tun, um das Auftreten von Kiefer-Osteonekrosen zu verhindern?
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Neben den bekannten häufig vorkommenden Nebenwirkungen mit Medikamenten aus der Substanzklasse der Bisphosphonate wurde eine zwar seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung dieser Substanzen in dem gehäuften Auftreten von Kieferknochenschädigungen (Kiefer-Osteonekrosen) bekannt. Hierunter versteht man eine Aufweichung und Zerstörung eines Kieferknochens meist nach einem zahnärztlichen Eingriff.

Da es sich bei dieser Nebenwirkung um eine unangenehme und schwierig zu behandelnde Komplikation handelt, sollten Sie ausführlich über die Entstehung und den Charakter dieser Erkrankung Bescheid wissen. Nur auf diese Weise ist eine Vermeidung und eine rasche Erkennung dieser Komplikation möglich.


Welche Symptome treten bei einer Kiefernekrose auf?

Allgemeine Symptome sind Schmerzen, Schwellung des Kiefers bzw. des Zahnfleisches, eitrige Sekretion, Fieber, nicht heilende Wunden nach Zahnentfernungen oder andersartigen zahnärztlichen Kiefereingriffen sowie Knochenfreilegungen und Taubheitsgefühl. Allerdings kann eine Kiefer-Osteonekrose auch lange Zeit ohne Auftreten von Symptomen verlaufen.


Wodurch entsteht eine Kiefer-Osteonekrose unter Bisphosphonattherapie?

Eine wesentliche Ursache für das Auftreten von Kiefernekrosen besteht zum einen vermutlich darin, dass Bisphosphonate die Wirkung der Osteoklasten (Zellen für den Knochenabbau) hemmen. Osteoklasten bewirken einen regelmäßigen Abbau alten Knochens, was wiederum die Knochenneubildung durch Osteoblasten stimuliert. Bisphosphonate verfügen über einen anti-angiogenetischen Effekt. Dies bedeutet, dass die Neubildung von Blutgefäßen durch diese Substanzen gehemmt wird. Hierdurch kann es insbesondere in stark beanspruchten Knochen wie z.B. den Kieferknochen zu einer mangelhaften Durchblutung kommen, was wiederum zu Nekrosen, also Knochen-zerstörungen führen kann.


Was sind Bisphosphonate?

Zu den Bisphosphonaten zählen Zoledronat (Zometa®), Pamidronat (Aredia®), Ibandronat (Bondronat®) und Clodronat (Lodronat®). Sie werden meist einmal im Monat über eine Infusion verabreicht. Die beiden letztgenannten Medikamente können auch in Form von Tabletten eingenommen werden.


Was müssen Sie unbedingt beachten?

Da eine Therapie mit Bisphosphonaten für die erfolgreiche Behandlung Ihrer Grund-erkrankung sinnvoll ist, sollten Risikofaktoren, die das Entstehen von Kiefernekrosen begünstigen, weitestgehend vermieden werden.

Eine der Hauptgefahren besteht durch Vornahme größerer zahnärztlichen Behandlungen wie z.B. Wurzelbehandlungen, Zahnentfernungen, Einsatz von Zahnimplantaten. Bei solchen Eingriffen kann es leicht zu Entzündungen und Einbringen von Keimen in den Kiefer kommen. Kommt es zu Zahnfleischverletzungen oder Wunden im Kieferbereich, kann es zu komplizierten Infektionen kommen, die sich auf den Kieferknochen übertragen und damit eine Knochenzerstörung hervorrufen können. Daher sollten größere Zahn-/Kieferbehandlungen nur erfolgen, wenn diese unbedingt erforderlich sind.

In jedem Fall sollte sich der behandelnde Zahnarzt vor dem geplanten Eingriff unbedingt mit Ihrem behandelnden Hämato-Onkologen in Verbindung setzen.

Besonders gefährdet sind Patienten, bei welchen innerhalb der letzten 6 Monate größere Zahnbehandlungen durchgeführt wurden und Patienten die im Bereich des Kiefers bestrahlt wurden. Ein weiterer wichtiger Risikofaktor besteht in einer unzureichenden Mundhygiene und unregelmäßigen Zahnarztbesuchen.

Außerdem möchten wir noch darauf hinweisen, dass Kortisonpräparate, wie Prednisolon oder Dexamethason, wahrscheinlich das Risiko für das Auftreten von Osteonekrosen erhöhen können.


Was können Sie und Ihre Ärzte tun, um das Auftreten von Kiefer-Osteonekrosen zu verhindern?

  • Vor Beginn einer Bisphosphonattherapie empfehlen wir dringend eine Mundhygiene, sowie eine gründliche Überprüfung und ggf. eine Sanierung Ihrer Zähne. 
  • Weiterhin ist eine gründliche und regelmäßige Mundhygiene durch korrektes Zähne-putzen, Mundspülungen mit Chlorhexidin-lösungen (Chlorhexamed, Hibident, Hexoral) und regelmäßige Zahnarztbesuche (mindestens im Abstand von 6 Monaten) unbedingt empfehlenswert. 
  • Weiterhin sollten Sie darauf achten, dass Verletzungen der Mundschleimhaut vermieden werden, da diese Eintrittspforte für infektiöse Erreger sein können. 
  • Außerdem sollte sich Ihr behandelnder Zahnarzt vor größeren Zahn-/Kiefereingriffen mit Ihrem behandelnden Hämato-Onkologen in Verbindung setzen. Da solche Behandlungen hinsichtlich der Entstehung von Kiefer-Osteonekrosen unter längerer Bisphosphonattherapie die größte Gefahrenquelle darstellen, ist eine gemeinsame Planung des Eingriffs von großer Bedeutung. 
  • Vor der Durchführung größerer zahnärztlicher Behandlungen sollten mittels Kieferröntgen (Panoramaaufnahme, ev. sogar Computertomographie) akute Krankheitsprozesse im Bereich des Kiefers ausgeschlossen werden. In der Regel sollte eine Antiobiotika-Prophylaxe erfolgen. 
  • Außerdem wird empfohlen, die Verabreichung von Bisphosphonaten vor und nach dem Eingriff für mindestens 2-4 Monate zu pausieren, um eine bessere Abheilung zu gewährleisten.
  • Zeigen Sie dieses Merkblatt auch Ihrem Zahnarzt!

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